Jusos Hochtaunus

Umbennenung der Jusos?

, am 19. Jun 2008 um 12:00

Steht die Abkürzung “Jusos” im Hochtaunuskreis weiterhin für Jungsozialisten? Oder nennt sich die SPD-Nachwuchsorganisation künftig “Junge Sozialdemokraten”? Dieser Frage geht kommenden Sonntag eine Mitgliederversammlung der Jusos Hochtaunus nach. Die Versammlung beginnt um 14.00 Uhr im Bürgerhaus Wehrheim.

Nachfolgend werden vorab Argumentationen Pro und Contra zur Umbenennung vorgestellt.


Argumentation Pro Umbennenung

Der Begriff „Jungsozialisten“ zeugt nicht von einem demokratischen Grundgedanken, er betont auch nicht unbedingt die Zusammengehörigkeit zwischen SPD und Jusos, sondern sorgt eher für Verwirrung von Außenstehenden, die den Begriff nicht kennen, die uns vielleicht anderen Parteien zurechnen würden als der SPD.

Wir, die Jusos, bekennen uns zu freiheitlichen und solidarischen Grundsätzen, die Achtung demokratischer Grundregeln ist wichtig für unsere Arbeit und deren Organisation, Sozialismus hingegen kann man mit dieser Grundlage nicht verwirklichen, da unsere Gesetze nur das ungestörte Arbeiten von Parteien erlauben, die sich zur Demokratie bekennen.

Außerdem ist der Begriff Sozialismus oft negativ besetzt, betrachtet man die historischen Gegebenheiten, die Umsetzung des Sozialismus war oft mit Diktaturen verbunden, die anders denkende, kritische Zeitgeister aus eigenen Reihen entfernten, die wirtschaftliche Lage war bei der Auflösung vieler dieser Diktaturen absolut katastrophal, die Planwirtschaft hat dazu ihr Übriges getan. Wenn wir diesen Begriff des Sozialismus in unserem Namen behalten sollten, müsste uns klar werden, welches Ziel wir uns setzen und ob wir es erreichen können, vor allem sollten wir uns fragen, ob man diese angestrebte Form umsetzen kann und wie wir mit der Geschichte unseres Landes umgehen.

Gleichzeitig sollte man sich damit befassen, ob der demokratische Sozialismus durchführbar ist oder nicht. Das natürliche Verhalten der Menschen hat diese, unser angestrebtes Leitbild in der Geschichte nie umsetzen können.

Das Eigenimage in den Medien würde enorm verbessert werden, man hätte einen schnelleren Bezug, zu dem was wir tun und dem, was wir sind, außerdem wäre es für die Öffentlichkeitsarbeit enorm förderlich, die Achtung demokratischer Grundsätze in unserer Organisation zu betonen.

Die Überzeugungskraft für die „Wähler der linken Mitte“, nicht nur für die „Stammwähler“ ist wichtig für die Zukunft, dabei muss uns grundsätzlich gerade auch die Betonung der Demokratie im Namen in stärkerer Verbindung zur SPD vorhanden sein, sonst verliert man, auch bei Jungwählern, die Seriosität.

Der Wiedererkennungswert in der Öffentlichkeit, der für Parteien (und deren Organisationen) enorme Konsequenzen haben kann, beispielsweise bei Wahlkämpfen sollte auch uns auch in Zukunft sehr wichtig sein.

Durch den Namen hat man die Chance (auch außerhalb) seriös aufzutreten, da man sich als „Junger Sozialdemokrat“ bezeichnen kann und nicht als „Jungsozialist“, bei dem man immer erklären muss, dass man trotz des Namens auf demokratische Grundsätze sehr viel Wert legt und das Fortführen sozialistischer Ideologien als politisches Handeln keineswegs zum Ziel hat. Außerdem würde so eine stärkere Bindung an die SPD suggeriert, die Zugehörigkeit im Namen würde stärker betont werden, als dies bei der Beibehaltung des alten Namens der Fall wäre.

 â€žSolidarische Mehrheit für sozialdemokratische Politik gewinnen“
Hamburger Programm

Die Änderung des Namens würde keine Änderung in der altbekannten Abkürzung ergeben für die weitere Organisation und die nächsten Wahlkämpfe usw.:
der Begriff „JUnge SOzialdemokraten“ könnte im Plural gleich bleiben: „Jusos“,
es wären außerdem keine großen Kosten nötig, da man so nur den Begriff ändert, außerdem bekennt man sich zu demokratischen Grundsätzen, die man im Namen betont, die wiederum wichtig für das eigene Image sind.


Argumentation Contra Umbenennung

1. Was ist Sozialismus?
Sozialismus basiert auf den Grundwerten Gleichheit, Gerechtigkeit und Solidarität, das sind Ideale, die auch wir als Jusos verfolgen. Der Begriff des Sozialismus wurde im 20. Jahrhundert u.a. von div. osteuropäischen Staaten durch den so genannten “real existierenden Sozialismus” missbraucht, doch dies darf für uns kein Grund sein unseren Namen, den wir schon länger haben, nicht weiter zu benutzen. Wir nennen uns auch gegenseitig “Genosse”. Der “real existierende Sozialismus” hat mit der Idee und den Idealen des Sozialismus und des Kommunismus nichts gemein!
Weiterhin ist auch der Begriff “Demokratie” in “Junge Sozialdemokraten” nicht unbefleckt oder sind die Deutsche DEMOKRATISCHE Republik oder die DEMOKRATISCHE Volksrepublik Nordkorea Vorbilder für uns?
 
2. Tradition
Wir alle sind stolz auf die 145 Jahre alte Tradition der SPD und wir können auch stolz auf die knapp 80 Jahre alte Tradition der Jusos, der Jungsozialisten und solch eine Tradition ist auch immer mit einem Namen verbunden, das dürfen wir nicht kaputt machen.
 
3. Unabhängigkeit
Die meisten von uns sind SPD-Mitglieder, aber vielen ist die Unabhängigkeit der Jusos von der SPD sehr sehr wichtig, eine Unabhängigkeit, die es in keiner anderen Jugendorganisation derart gibt. Wenn wir uns jetzt umbenennen, wird es so verstanden werden, dass die Jusos HTK ihre Unabhängigkeit aufgeben. Ich genieße es, wenn ich für die Jusos arbeite, kritisieren zu dürfen, was mir nicht gefällt, ohne mich an Parteinormen halten zu müssen.
 
4. Unnötiges Wirrwarr
Eine Umbenennung auf Hochtaunusebene würde zu unnötiger Verwirrung sorgen: “Auf AG-Ebene seid ihr die Jungsozialisten, im UB die Jungen Sozialdemokraten und auf Bundesebene wieder die Jungsozialisten?” Viele würden nicht verstehen, dass das alles dasselbe sein soll.
 
5. Falsche Neupositionierung
In der heutigen Zeit, wo es der uns favorisierten Politik und Partei nicht wirklich gut geht und sie sich versucht neu zu positionieren, wäre eine Umbenennung ein Schritt in die völlig falsche Richtung. Wir würden uns irgendwo im Nowhere zwischen JU und Solid neu positionieren. Die Frage, die sich daraus ergibt ist, wen wir überhaupt noch für uns begeistern wollen, wenn noch nicht mal wir als Jugendliche und Junge Erwachsene den Traum des Demokratischen Sozialismus weiterverfolgen würden.
Die zwingende Folge davon wäre eine Gründung von Solid im Hochtaunuskreis, da sich viele linksdenkende Jugendliche von uns nicht mehr angesprochen fühlen würden.

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